Wie würdest du reagieren, wenn dir jemand erzählt, dass er im Urlaub eine Baustelle besucht hat? Wahrscheinlich wärst du ziemlich verwirrt. Aber was, wenn es sich bei dieser Baustelle um die Sagrada Família handelt? Da könnte das vorherrschende Gefühl schnell in Neid umschlagen, nicht wahr? Das Meisterwerk von Antoni Gaudí, an dem bereits seit über einem Jahrhundert gebaut wird, ist so majestätisch, dass es Besucher während seiner gesamten Bauzeit in seinen Bann gezogen hat. Und hinter seiner spektakulären Fassade verbergen sich 100 Jahre Drama und kuriose Leckerbissen. (Oh, und natürlich der Erbauer selbst, der unter seinem Lebenswerk begraben wurde). Hier sind neun faszinierende Fakten, die dich die farbenfrohen Glasmalereien in einem neuen Licht sehen lassen werden.

Gaudí war nicht der erste Architekt, der an ihr arbeitete

Wenn man an die Sagrada Família denkt, fällt einem wahrscheinlich sofort ein Name ein: Antoni Gaudí. Schließlich widmete sich der Meisterarchitekt fast ausschließlich seinem Magnum Opus. Doch der Bau Barcelonas berühmtester Sehenswürdigkeit begann unter einem weniger bekannten Architekten. Im Jahr 1882 plante der Konstrukteur Francisco de Paula del Villar eine – eher konservative – Kirche im Stil der Neugotik. Als er jedoch im darauffolgenden Jahr zurücktrat, übernahm Gaudí und lenkte die Pläne in eine radikal neue Richtung (vor allem seine besondere Anwendung der Geometrie, beeinflusst von den Formen der Natur). Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Revolutionäre setzten die Krypta in Brand

Angesichts des schieren Ausmaßes des Projekts waren ein paar Rückschläge während des Baus zu erwarten. Berücksichtigt man jedoch die Brandanschläge, ist es ein Wunder, dass die Sagrada Família überhaupt existiert. Während des Spanischen Bürgerkriegs setzten Revolutionäre die Krypta der Kirche in Brand. Dabei zerstörten sie auch teilweise Gaudís Originalpläne und Gipsmodelle. Während du die ikonischen Türme fotografierst, denke also bitte an diejenigen, die die Entwürfe unter Einsatz ihres Lebens aus den Flammen gerettet haben – es dauerte 16 Jahre (!), die Teile des Meistermodells wieder zusammenzusetzen.

Der Bau erfolgt mithilfe von Computer-Technologie  

Es ist kein Wunder, dass der Bau der Sagrada Família so lange gedauert hat. Damals, im 20. Jahrhundert, wurden all diese kolossalen Steinskulpturen von Hand geschnitzt. Heutzutage hilft die moderne Technologie dabei, den Prozess ein wenig zu beschleunigen. Die Konstrukteure verwenden computergestütztes Design und CNC-Fräsmaschinen, um den Stein außerhalb der Baustelle zu formen. Die Schaffung von zehn weiteren Türmen – jeder stellt eine wichtige biblische Figur dar – ist die nächste technologische Herausforderung.

Sie wird die höchste Kirche der Welt sein

“Die Sagrada Família ist nicht die letzte der Kathedralen, sondern die erste einer neuen Ära.” Als wäre das nicht schon architektonisches Statement genug, aber warte nur, bis die neuen Türme fertig sind. Mit 172 Metern Höhe wird Gaudís Meisterwerk das Ulmer Münster – das höchste Kirchengebäude der Welt – von seinem Thron stoßen. Und die Entwürfe des Meisters sind (im wahrsten Sinne des Wortes) ein Großprojekt. Immerhin sind achtzehn Türme vorgesehen, die die Apostel, die Evangelisten, die Jungfrau Maria und Jesus darstellen sollen. Ein Hoch auf das Bauteam!

Das Gebäude soll das Leben Christi symbolisieren

Diese prächtigen Fassaden wurden nicht nur dazu entworfen, uns andächtige “oohs” und “aahs” zu entlocken. Gaudís Architektur steckt voller Symbolik. Tatsächlich wurde sie geschaffen, um das Leben Christi zu repräsentieren. Schau nur einmal die drei großen Eingänge an, die die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe symbolisieren. Es gibt die Geburtsfassade (die seiner Geburt gewidmet ist) und die Passionsfassade (die seinem Leiden gewidmet ist). Nicht sicher über die tiefere Bedeutung? Keine Angst, die Türen der Passionsfassade stellen die Passion Jesu in verschiedenen Sprachen dar.

Es wird mehrere Orgeln geben, die von einer einzigen Person gespielt werden können

Auch wenn Sie nicht unbedingt eine typische Konzerthalle ist, ist eine Aufführung in der Sagrada Família ein unvergessliches Erlebnis. Mit 1492 Pfeifen kann ihre Orgel einen phänomenalen Klang erzeugen. Doch aufgrund der akustischen Herausforderungen, die die Architektur mit sich bringt, ist eine einzige Orgel nicht genug. Deshalb werden mehrere andere Orgeln – insgesamt satte 8.000 Pfeifen – rund um die Kirche installiert. Und das Beste daran? Ein einziger Organist wird sie alle gleichzeitig bedienen können.

An ihrer unverwechselbaren Architektur scheiden sich die Geister

Heute ist sie eines der am meisten verehrten Gebäude der Welt – und UNESCO-Weltkulturerbe. Aber im 20. Jahrhundert waren nicht alle so begeistert. Der Schriftsteller George Orwell nannte die Sagrada Família “eines der abscheulichsten Gebäude der Welt”. Für andere hätte das nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein können. Der deutsche Architekt Walter Gropius beschrieb sie als “ein Wunderwerk der technischen Perfektion”. Wie auch immer deine persönliche Meinung sein mag, sie wird auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Gaudí wurde dort begraben

Eine Besuch in der Sagrada Família wäre nicht komplett, ohne dem berühmtesten Sohn Kataloniens einen Besuch abgestattet zu haben. Und wo sollte er sonst begraben sein, als unter seinem eigenen architektonischen Vermächtnis? Nachdem sein Leben durch einen Straßenbahnunfall tragisch beendet wurde, wurde er hier zur Ruhe gebettet. Du findest sein Grab in der Kapelle, die der Jungfrau El Carmen gewidmet ist.

Die Sagrada Família wurde ausschließlich auf Spendenbasis gebaut

“Der Tempel der Sagrada Família ist von den Menschen gemacht, und deshalb manifestiert sich in ihm ihre Art zu sein”, sagte Antoni Gaudí. Und er hatte Recht: Die Sagrada Família wurde von Anfang an selbst finanziert. Im Laufe der Jahre wurde das Gebäude ausschließlich durch die Großzügigkeit tausender Reisender weiterentwickelt. Heute, 139 Jahre nach der Grundsteinlegung, ist diese legendäre Kirche der Vollendung von Gaudís Traum näher denn je. Wenn du Teil ihrer lebendigen Geschichte sein möchtest, kannst du hier spenden.

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