Wenn der Sommer langsam zu Ende geht und die Tage kürzer werden, nähern wir uns dem letzten Höhepunkt vor der kalten Jahreszeit. Also stoße mit uns an auf die letzten warmen Sonnenstrahlen mit einem kühlen Bierchen — oder wie man in Bayern sagt, a Bia! Vom 21. September bis zum 6. Oktober dreht sich in München alles ums Oktoberfest, das wohl berühmteste Festival Deutschlands. Du möchtest dabei sein? Wir verraten dir, wie du dich auch als Nicht-Bayer erfolgreich unters Volk mischst, damit dein Ausflug nach „Minga“ garantiert a Fetzengaudi wird und du am Ende des Tages mit ein paar neuen Freinden nach Hause gehst.

1. Kleider machen Leute

Aufgepasst Buam und Madln (das heißt „Jungs und Mädels“ für euch Nicht-Bayern)! Von den Lederhosen bis zum Trachtenkleid, das richtige Outfit ist beim Oktoberfest mindestens genauso wichtig, wie das richtige Bier. Das kannst du uns glauben: Ohne sich aufzubrezeln machen die Wiesn nur halb so viel Spaß. Für die Damen steht das Dirndl auf der Kleiderordnung. Die traditionellen Kleider bestehen aus Mieder und Rock, einer tief ausgeschnittenen Bluse mit Puffärmeln und natürlich der Schürze. Und für die Herren? Nichts sagt Oktoberfest wie Lederhosen: Die knackigen Hosenträger-Shorts dienten aufgrund ihrer Langlebigkeit einst als Arbeitshosen. Heute gelten sie als Inbegriff bayrischen Brauchtums – am besten kombiniert mit dem Tirolerhut. Also wirf dich in Schale und auf zu den Bierzelten!

2. Essen, trinken, genießen

Berühmt ist das Oktoberfest zwar vor allem für sein Bier, es bietet aber auch eine erstklassige Gelegenheit, sich mit der deftigen bayrischen Küche vertraut zu machen. Denn was ist schon ein erfrischendes Helles ohne eine herzhafte Beilage? Der perfekte Snack zur Maß Bier sind natürlich die Brezn oder Brezeln. Falls dein Hunger doch etwas größer ist, empfehlen wir den Schweinsbraten, am besten mit ein paar Gneedl (Knödel) dazu. Unbedingt probieren solltest du die Weißwurscht mit süßem Senf, eine typisch bayrische Brotzeit, die in der Regel morgens, spätestens aber zu Mittag gegessen wird. Achtung: Viele Bayern legen Wert auf das „Zuzeln“: Wurst zum Mund führen, Haut aufbeißen und kräftig saugen. Keine Sorge, wenn es beim ersten Mal nicht gleich gelingt. Übung macht den Meister!

3. No-Go beim Oktoberfest

Auch wenn es auf dem Oktoberfest manchmal ein bisschen ruppig zugehen mag, nehmen die Münchner ihre Gäste doch immer herzlich auf. Diese Gastfreundschaft will erwidert werden. Auf jeden Fall vermeiden solltest du daher kritische oder geringschätzige Kommentare über „das größte Besäufnis der Welt“. Die Wiesn ist den Bayern heilig – du solltest also lieber nicht mamsen, sondern einfach die Mischung aus internationalem Flair und bayrischem Brauchtum genießen. Und falls dir das Treiben doch etwas zu bunt wird, warum nicht mal zur Mittagszeit auf die Wiesn gehen? Keine langes Anstehen an den Fahrgeschäften und in jedem Zelt sofort ein Sitzplatz. Da schmeckt die Maß gleich doppelt so gut!

4. Bestelle auf Bayrisch — oder auch nicht

Bevor du das Bier deiner Wahl bestellen kannst, gilt es das richtige Zelt zu finden. Insgesamt gibt es 14, also wähle mit Bedacht! Sobald du in deinem Wunschzelt angekommen bist, musst du noch einen Sitzplatz finden (was manchmal gar nicht so einfach ist. Es empfiehlt sich vorher zu reservieren). Achtung: Auf der Wiesn bestellt man nicht einfach „ein Bier“, sonder „a Maß“, also einen Liter. Falls dir das zuviel sein sollte, bestelle „a Hoiwe“ (einen halben Liter). Aber sei dir bewusst, dass du hierfür von den restlichen Oktoberfestgängern verächtliche Blicke ernten wirst. Du kannst schummeln, indem du dir dein Bier mit Zitronenlimonade auffüllen lässt, so wird es zum „Radler“. Und falls du dir all diese Vokabeln nur mit Mühe merken kannst, macht nichts! Hebe einfach lächelnd einen (oder drei) Finger und schon ist die Bedienung zu dir unterwegs. Lass da ’s schmegga!

5. Kenne deine Biersorten

Bayrisches Bier ist immer etwas Besonderes, aber das echte Oktoberfestbier bekommst du nirgendwo sonst. Der Alkoholgehalt dieser süffigen Schankbiere ist etwas höher als bei normalem Bier und sie stammen alle aus den 6 großen Münchner Brauereien: Augustiner, Paulaner, Spaten, Löwenbräu, Hacker-Pschorr und Hofbräu.

Du magst es süffig? Bestelle ein Helles. Lieber würzig-aromatisch? Probiere ein Dunkles. Du magst es kraftvoll im Geschmack? Nimm einen Schluck Hefeweizen. Gestern Abend einen über den Durst getrunken? Dann solltest du heute lieber das Radler bestellen (halb Helles und halb Zitronenlimo).

6. Zeit für ein wenig Geschichte

Was heute als beliebtestes Bierfest der Welt gilt, begann im Jahr 1810 als Freudenfest anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese. Die Festlichkeiten vor den Toren Münchens waren ein solcher Erfolg, dass sich ein Jahr später alle einig waren: Das Fest soll weiterhin stattfinden. Seitdem wurde das Oktoberfest insgesamt nur ungefähr zwei Dutzend mal abgesagt aus Gründen wie Weltkriegen oder Choleraepidemien (ein Grund mehr, Bier statt Wasser zu trinken). Aber keine Sorge, diesen Herbst ist schon alles bereit für eine Mordsgaudi!

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