Keine Reise nach Rom wäre vollständig, ohne dass du das Kolosseum bestaunt hast. Aber diesem neuen Weltwunder bloß nah zu kommen, reicht den wahrhaft Neugierigen auf der Suche nach Geschichten und Geheimnissen bei Weitem nicht aus. Um deinen Wissensdurst zu stillen, haben wir hier 10 Dinge zusammengetragen, die du (wahrscheinlich) bisher noch nicht über das legendärste unter Italiens Amphitheatern wusstest.

1) „Es ist praktisch ein Neubau“
Wir wissen natürlich alle, dass das Kolosseum ziemlich alt ist. Aber wie alt genauisteigentlich ziemlich alt? Okay, die Fundamente wurden im Jahr 72 n. Chr. gelegt und – unter dem wachsamen Auge der Kaiser Vespasian und Titus – war der Bau nach gerade mal 8 Jahren abgeschlossen. Doch auch wenn das Kolosseum rund 1.950 Jahre alt ist: Verglichen mit den Pyramiden von Gizeh, die mehr als doppelt so alt sind, ist es praktisch ein Neubau. Und dann wäre da auch noch Stonehenge, von dem man annimmt, dass es vor ungefähr 5.000 Jahren entstanden ist.

2) „Das würde sich auf einem Kühlschrankmagneten bestimmt nicht so gut machen“
Es gibt Dinge, bei denen du dir absolut nicht vorstellen kannst, dass sie einen anderen Namen haben könnten – und dazu gehört ganz sicher das Kolosseum. Aber ob du es glaubst oder nicht: Das italienische Wahrzeichen hieß ursprünglich tatsächlich Flavisches Amphitheater. Dieser wenig einprägsame Name (der sich auch auf einem Kühlschrankmagneten ganz bestimmt nicht so gut machen würde) geht zurück auf die großmächtige Dynastie der Flavier, die das Römische Reich von 69 bis 96 n. Chr. beherrschten. Historiker gehen davon aus, dass eine 35 Meter hohe Bronzestatue, die einst vor dem Amphitheater prangte, Pate für den heutigen Namen stand: der „Koloss des Nero“.

3) „Der berüchtigte Imperator setzte nie einen Fuß in die Arena“
Wenn du an das Römische Reich denkst, kommt dir unwillkürlich ein Name in den Sinn: Julius Cäsar. Du siehst es förmlich vor deinem inneren Auge, wie er sich die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum angeschaut und dazu ein Gläschen Wein – oder auch mal zwei – geschlürft hat. Doch auch wenn das Kolosseum und Julius Cäsar beide Ikonen des Römischen Reiches sind – der berüchtigte Imperator hat nie einen Fuß in die große Arena gesetzt. Wie du spätestens jetzt weißt, wurde das Kolosseum im Jahr 80 n. Chr. fertiggestellt, und als die allerersten Spiele in der Arena stattfanden, lag der Mord an dem großen Cäsar bereits knapp 125 Jahre zurück. Tatsächlich hat Kaiser Vespasian den Bau des Kolosseums in Auftrag gegeben und sein Sohn, Kaiser Titus, wachte nach dem Tod seines Vaters über die Fertigstellung der Arena.

4) „Wehe einem Sklaven, der den Kaiser geschlagen hat“
Die Mehrheit der Gladiatoren, der so genannten „Könige der Unterhaltung“, waren Sklaven oder ehemalige Gefangene. So war es denn auch – stark untertrieben ausgedrückt – ein wenig ungewöhnlich, als Kaiser Commodus eines Tages beschloss, seine Obsession mit dem Kampfsport nicht mehr länger bloß auf den Zuschauerrängen auszuleben, sondern höchstselbst in den Ring zu steigen. Wie du dir sicher unschwer vorstellen kannst, ging es bei den Kämpfen mit ihm alles andere als fair zu. Seine Gegner benutzten hölzerne Schwerter – und wehe dem Sklaven, der den Kaiser geschlagen hat. Bei diesen Kämpfen wurde also nicht ausreichend Blut vergossen, um die rasende Zuschauermeute zu befriedigen. Dafür kamen sowohl die blutrünstigen Fans als auch des Kaisers Ego voll auf ihre Kosten, wenn er in der Arena Tiere abschlachtete.

5) „Nachgestellte Seeschlachten? Das klingt doch ein wenig weit hergeholt“
Die Idee, das Kolosseum zu fluten, um darin Seeschlachten nachzustellen – das klingt doch ein wenig weit hergeholt. Aber solche Spektakel hatten im alten Rom durchaus Tradition. Julius Cäsar war zum Beispiel bekannt dafür, dass er kleine (aber horrend teure) „Seeschlachten“ auf künstlichen Inseln in Rom austragen ließ. Es gab wohl tatsächlich Pläne für eine solche Veranstaltung im Kolosseum, aber die Historiker streiten bis heute darüber, ob jemals eine Seeschlacht in Roms sagenhaftem Amphitheater stattgefunden hat.

6) „Es ist ziemlich gut in Form – aber nicht makellos“
Dafür, dass es schon fast 2.000 Jahre auf dem Buckel hat, ist das Kolosseum ziemlich gut in Form – aber nicht makellos. Das liegt daran, dass das berühmte Gebäude schon von einigen Erdbeben erschüttert wurde, die hauptsächlich die Südseite beschädigt haben. Und die Trümmer wurden ganz fix recycelt, um kreuz und quer über Rom verteilt Kirchen und Paläste zu bauen.

7) „Das ‘Tor des Todes’ lag im Westen“
Von den 80 Eingängen des Kolosseums waren 76 für die Allgemeinheit bestimmt, während die restlichen 4 nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet waren. Bedeutende Würden- und Titelträger nutzten den Süd- und den Nordeingang. Die übrigen 2 Tore waren den Gladiatoren vorbehalten, dienten aber 2 entgegengesetzten Zwecken. Das „Tor des Lebens“, durch das die Gladiatoren vor dem Spektakel die Arena betraten, lag im Osten. Nach Westen zeigte hingegen das „Tor des Todes“, durch das tote Gladiatoren aus der Arena getragen wurden, Man schätzt, dass rund 500.000 Menschen und mehr als 1 Million Tiere im Kolosseum getötet wurden.

8) „Der Eintritt zu den Spielen war frei“
Wenn es in der Haushaltskasse eher mau aussah, du aber trotzdem Spaß an den blutigen und imposanten Veranstaltungen im Kolosseum hattest, war dir das Glück hold – allerdings nur, wenn du ein römischer Bürger warst. Die Kaiser nutzten die Arena zu Werbezecken für ihre jeweilige Politik, und daher war der Eintritt für alle römischen Bürger frei. Ausländer hingegen konnten den Mächtigen politisch nicht von Nutzen sein und mussten deshalb in die Tasche greifen, wenn sie am Spektakel teilhaben wollten.

9) „Das Kolosseum war nicht beeindruckend genug“
Regisseur Ridley Scott erhielt für den Hollywood-Film „Gladiator“ tatsächlich die Genehmigung, im berühmtesten Amphitheater des Planeten zu drehen. Kannst du dir das bürokratische Prozedere auch nur annähernd vorstellen? Und dann entschied Scott doch tatsächlich, dass das Kolosseum in den Aufnahmen einfach nicht beeindruckend genug aussah – und verlegte kurzerhand die Dreharbeiten nach Malta, wo er sein eigenes „Kolosseum“ als Kulisse für den Film nachbauen ließ.

10) „Es ist riesig. Absolut riesig.“
Das Kolosseum ist riesig. Absolut riesig. Unglaubliche 87.000 Zuschauer fanden hier Platz. Damit war das Kolosseum laut Guiness-Buch der Rekorde das größte Amphitheater der Welt. Zum Vergleich: In das neue, ultra-moderne Wembley-Stadion in London passen gerade mal ein paar tausend Zuschauer mehr hinein. Die modernen Stadien von heute haben überhaupt viel mit dem Kolosseum gemeinsam. Aber es gibt, wie du dir wahrscheinlich schon gedacht hast, auch ein paar bedeutende Unterschiede – allerdings nicht unbedingt zugunsten der modernen Stadien. Nicht nur war der Eintritt ins Kolosseum frei, sondern sämtliche Zuschauer konnten darüber hinaus die Arena binnen 10 Minuten verlassen. Denk darüber nach, wenn du das nächste Mal nach einem Konzert auf dein Uber-Taxi wartest.

Noch mehr über das Kolosseum erfährst du bei unserer ausführlichen, 3-stündigen Tour. Nähere Informationen findest du hier.

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